Claudia Mullen, Teil 2
Zurück: Glaubt den Kindern
Interview mit Wayne Morris
[WM]: Ich spreche hier mit Claudia Mullen, einer Überlebenden der Mind-Control-Experimente und -Operationen der US-Regierung. Vielen Dank, dass Sie heute bei uns sind, Claudia.
[CM]: Aber gerne, und vielen Dank für die Einladung zu Ihrer Sendung.
[WM]: Wir haben Teile Ihrer Aussage gehört, die Sie bei dem Präsidialen Ausschuss zu Strahlenexperimenten im Jahr 1995 abgegeben haben. Wie kam es dazu, dass Sie dort aussagten?
[CM]: Nun, das war so: Das kam daher, von den Informationen, die ich meiner Therapeutin gegeben hatte, als die Erinnerungen anfingen zurückzukehren. Es wurde klar, dass das mehr war als nur Missbrauch durch die Mutter, auch mehr als ritueller Missbrauch hier in New Orleans: Nein, hier war eine Verschwörung auf Regierungsebene verwickelt. Meine Therapeutin hat diese Informationen an einige Experten überall im Land weiter gegeben, um nachzuprüfen, ob es diese Leute gab, ob solche Projekte existierten. Ich nannte Namen, wusste aber nicht, wer die Leute waren. Auch meine Therapeutin wusste das nicht. Sie liest solche Dinge nicht diese Mind-Control-Sachen Regierungs-Verschwörungen, solche Dinge.
[WM]: Sie hat Material weiter gegeben an Leute, die recherchierten?
[CM]: An Leute, die speziell CIA-Projekte untersuchten. Zurück kam: »Ja, es gibt diese Leute«. Ich verschickte bis dahin unveröffentlichte Informationen, auch an einen Mann namens Wally Cummings, der Leute auftreiben konnte, die dazu bei den Anhörungen in Washington aussagten.
[WM]: Gehörte er zu dem »Human Radiation Committee«?
[CM]: Er gehörte nicht dazu. Er interviewte Leute, er suchte Leute, die öffentlich aussagen würden. Er arbeitete für das Komitee, ja. Er interviewte auch mich, telefonisch, und als er hörte, dass ich brauchbare Information besaß, bat er mich auszusagen. Man sagte mir, ich könnte zehn Minuten lang reden. Ich beschloss, das zu tun. Ich fuhr nach Washington, zusammen mit meiner Therapeutin und einer anderen Klientin von ihr.
[WM]: Wie stellt sich die Verbindung dar zwischen diesen Strahlen-Experimenten und den Mind-Control-Experimenten, denen Sie ausgesetzt waren?
[CM]: Ich habe viele verschiedene Dinge mitbekommen als ich Teil der Experimente war. Bei mir haben sie nicht viel Strahlung eingesetzt außer ein paar Röntgenaufnahmen. Aber ich habe viel mithören können über ihre Strahlenexperimente, speziell in oder nahe New Orleans. Es waren die gleichen Leute, die die Strahlenexperimente machten und die Experimente mit mir. Das ist die Verbindung.
[WM]: Es war unglaublich mutig von Ihnen, zu den Anhörungen zu gehen, auszusagen. Waren Sie sich damals bewusst, dass Sie das Schweigen brachen, auch für viele andere Überlebende von Mind-Control?
[CM]: Zu dieser Zeit war mir nicht klar, welchen Schritt ich da tat. Eines der Dinge, die man tut, und nicht zu sehr darüber nachdenkt, weil man sonst Angst bekommt oder ins Zweifeln gerät. Man weiß einfach, dass man darüber reden muss und die Leute wissen lassen, dass das so passiert ist. Ich fühlte mich dabei überhaupt nicht mutig, machte mir keine Gedanken über die Auswirkungen. Ich dachte überhaupt nicht daran, was es für andere Opfer von Mind-Control bedeutete, dass ich die Tür öffnete, damit sie heraus kommen konnten und sprechen. Kein Gedanke daran, was ich lostreten würde. Ich wusste, es war wichtig. Ich hatte Eine Chance, den Leuten in Washington zu erzählen, dass hier Dinge geschahen, die nicht geschehen durften. Ich habe es einfach gemacht.
[WM]: Wie haben Sie sich gefühlt dabei richtig vor dem Komitee auszusagen?
[CM]: Ich hatte schon Angst. Nachher ein gutes Gefühl. Es war überwältigend. Sie waren so nett zu uns. Wir kamen uns vor als betrachtete man uns unter einem Mikroskop, jedes Detail wurde sehr genau betrachtet und zerlegt. Viele Fragen, doch das hatten wir erwartet. Danach war ich erleichtert, auch überrascht über den Anklang. Als ich in den Raum eintrat, war ich irgendwer, irgendein Gesicht. Offensichtlich waren Regierungsleute da, CIA, Militär. Ziemlich beängstigend. Ich ging einfach so durch die Menge. Als ich den Saal verließ, wusste jeder, wer ich war. Da gab es so viel Unterstützung, besonders von den anderen Opfern der Strahlungsexperimente. Und von den Mitgliedern des Komitees. Die waren äußerst hilfreich.
[WM]: Hatten Sie den Eindruck, dass Ihre Ausführungen beim Komitee ankam, dass die Leute ernst nahmen, was sie hörten?
[CM]: Ja, hatte ich.
[WM]: Gab es Reaktionen seitens des Komitees? Wenn ja, was für Reaktionen, was das Thema Mind-Control angeht?
[CM]: Ich weiß, dass die Leute mir wirklich zugehört haben, obwohl es ja eigentlich um Strahlenexperimente ging, ihre Blicke haben mir das gesagt. Auch die Ausweitung des Themenbereiches im Jahr spricht dafür: Alle MK-Ultra-Projekte, die ich genannt hatte, wurden aufgenommen. Wir hatten zwar nur eine beschränkte Redezeit, aber es gab keine Beschränkungen für unsere schriftlichen Aussagen und Unterlagen. Ich reichte eine zwanzigseitige Liste ein mit Projektnummern, Projektnamen, Unterprojektnummern, Spezialgebieten, Orten, Personenangaben. Wir haben verlangt, dass alles untersucht wird. Nun, das ist bisher noch nicht passiert, und man sagte mir, es sei deshalb noch nichts unternommen worden, weil man abwarten müsste, bis alle dort benannten Personen tot seien. Ganz ehrlich, das haben sie gesagt!
[WM]: Wer hat Ihnen das gesagt?
[CM]: Nun, das ist nicht auf direktem Wege geschehen. Ich habe die Information über das Internet bezogen. Ich habe mit einem der Experten gesprochen, der mit meiner FOIA-Anfrage (FOIA: Gesetz zur Offenlegung alter ehemals geheimer Akten, »Freedom Of Information Act«) betraut war. Er sagte, er habe die direkte Anweisung seitens der CIA, dass man keine wirklichen Untersuchungen wünsche, bevor nicht alle der genannten Personen dahingeschieden seien, da man eine entsprechend aufgebrachte Reaktion der Öffentlichkeit im Moment nicht brauchen könne.
[WM]: Nun, die Öffentlichkeit würde schon aufgebracht reagieren, mit Recht! Gab es denn überhaupt Presse-Veröffentlichungen über Ihre Aussagen, gab es hinterher Kontakte zur Presse?
[CM]: Ich glaube, es gab eine kurze Meldung in einer Washingtoner Zeitung, aber in erster Linie über die Aussage betreffend den Strahlenexperimenten. Aber es gab Berichte im örtlichen Kabelfernsehen es gab ein Interview an gleichen Abend für einen Lokalsender in Montana und im Internet konnte man später natürlich alles nachlesen. Aber es gab kaum landesweite Berichterstattung, und wenn, dann über die Strahlen-Experimente.
[WM]: Nach meinem Wissen hat ein Journalist namens Jon Rappoport Ihre Aussage und die von Chris DeNicola in einem Buch zusammengefasst. Wie lange dauerte es bis zur Veröffentlichung?
[CM]: Das passierte sofort. Das Buch entstand innerhalb von sechs Monaten. Es heißt »US Mind Control Experiments on Children They Want to Know«. Viele andere Leute traten an mich heran. Leute von der Show 20/20 wollten, dass meine Therapeutin und ich dort auftreten sollten. Die Therapeutin sagte ab, also sagte ich auch ab. Oder ein Journalist aus Washington, der mich interviewte. Ein Anwalt auch. Es gab einige Interviews mit Lokalzeitungen, die ich nie gedruckt sah. Trotzdem riefen Leute von überall im ganzen Land an. Das Risiko, persönliche Informationen freizugeben, war hoch, deshalb gab ich als Kontakt die Telefonnummer meiner Therapeutin an. Ja, es gab einige telefonische Interviews, unter anderem mit der BBC.
[WM]: Können Sie kurz beschreiben, wie Sie zu diesen Experimenten, zu diesem Programm kamen?
[CM]: So weit ich das noch weiß, war das 1958, mit acht Jahren. Mit Zweieinhalb wurde ich adoptiert, meine Adoptivmutter hat mich vom ersten Tag an misshandelt. Sie hat ihren Freunden gestattet, mich zu missbrauchen. Ich wurde zu einem Camp geschickt, das war eine Art Sex-Zirkel, ein Haufen Pädophiler, die sich am Wochenende und im Urlaub dort trafen und Kinder herum reichten. Und genau dort suchten sich die Regierungsleute Kinder als »Kandidaten« für ihre Projekte aus, bei Adoptionsagenturen und Sex-Zirkeln. Sie haben mich sicher schon vorher beobachtet, aber sie haben abgewartet, bis ich das richtige Alter erreicht hatte. Mit acht Jahren wurde ich also das erste Mal getestet von Regierungs-Leuten an der Universität von Tulane. Es war eine wichtige Sache, es ging darum, den Kommunismus zu stoppen. Ich wusste kaum, was das war, aber ich gab mein Bestes, glaubte, etwas Gutes zu tun.
[WM]: Ihre Mutter kannte Leute in Tulane. Was waren das für Verbindungen?
[CM]: Meine Mutter kannte den Vorsitzenden der medizinischen Fakultät, Darlen Fenner. Er gehörte zur High Society in New Orleans, wohl der Höchste. Meine Mutter als soziale Aufsteigerin bot mich ihm sehr oft an, ließ ihn alles mit mir machen. Er betrieb dieses Camp, »Covington Camp for Boys and Girls«. Das war sein Sommersitz, nicht weit von New Orleans. Ich wurde dort hin geschickt. Sie kostümierten sich wie im Fasching, wir Kinder kannten das, und sie hielten Zeremonien ab, in erster Linie um uns Angst zu machen.
[WM]: Was für Zeremonien?
[CM]: Es ging darum, Kinder auszusuchen, die schon missbraucht wurden, deshalb war ich wohl dabei. Es ging um viel Geld, wenn die CIA in Tulane experimentieren konnte. Darlen Fenner wollte das Geld, sein Freund von der neuropsychiatrischen Abteilung, Dr. Robert Heath, wollte das auch.
[WM]: Wie lange zogen sich dieser Missbrauch und diese Experimente an der Universität Tulane hin?
[CM]: Das ging stetig so, sehr oft, bis ich 1968 die Highschool abschloss. Danach waren die Abstände größer. Ich war weit weg von Zuhause, meine Mutter war gestorben, es war schwieriger, über mich zu verfügen. Aber sie hielten den Kontakt zu mir. Ich musste wieder dort hin, immer wieder, bis, das letzte Mal war wohl 1988, da war ich bereits 38 Jahre alt.
[WM]: Also, dreißig Jahre lang und hinterher, was haben Sie da getan? Konnten Sie arbeiten, gingen Sie auf eine Schule?
[CM]: Ja. Sehen Sie, ich hatte als kleines Kind DID oder MPD (»Dissociative Identity Disorder«, »Multiple Personality Disorder«, Persönlichkeitsspaltung) entwickelt, schon vor der Adoption, in diesem Heim gab es so viele kleine Kinder und so wenig Leute, die sich um uns kümmerten. Ich denke, das war nur natürlich, dass ich meine Person aufspaltete, sonst war ja niemand da für mich. Können Sie die Frage noch einmal wiederholen?
[WM]: Haben Sie gearbeitet, danach
[CM]: Ja, klar. Da ich MPD / DID hatte, konnte ich ein nach außen hin normales Leben führen, zur Schule gehen, nach der Highschool ins College, Beziehungen haben. Ich war 12 1/2 Jahre lang Veterinärmedizinische Technikerin, führte ein anscheinend recht normales Leben, bis auf die Zeiten, wo sie mich holten, sich meiner multiplen Persönlichkeiten bedienten wenn sie mit einer davon, die auf sie hörte, in Kontakt traten, dann ging diese zurück nach Tulane oder sonstwo hin, wo sie mich haben wollten. Ansonsten führte ich ein Leben wie alle anderen auch. Ich lernte einen Freund kennen, heiratete, ging zur Pflegeschule. Ich hatte gerade meinen Abschluss gemacht, 1988, als sie mich für eine Versammlung brauchten, hier in New Orleans.
[WM]: Wann haben Sie das erste Mal bemerkt, dass Sie DID hatten? Wie hat sich das manifestiert?
[CM]: Als ich sieben Jahre alt war, da habe ich die erste konkrete Erinnerung, dass da »Kinder in mir drin wohnten« ich nannte sie »imaginäre Freunde«. Ich dachte, das hätte jeder. Diese Freunde sahen anders aus als ich. Sie hatten Namen, die ich ihnen gegeben hatte. Manche waren kleiner als ich, manche größer, manche kontaktfreudig, andere waren sehr schüchterne kleine Mädchen. Als ich älter wurde, unterdrückte ich das mit den imaginären Freunden, vergaß das beinahe. Aber wenn sie heraus kamen, dann wusste ich nichts davon. 1992 passierte mir etwas, das mir all diese Erinnerungen zurück brachte. Dann diagnostizierte man mir MPD, natürlich wies ich das zurück. Ich leugnete das, bis auf die imaginären Freunde, aber die hat doch jeder. Ich habe darauf bestanden, dass ich nicht MPD hatte, aber letztendlich gab es keinen anderen Ausweg als das zu akzeptieren.
[WM]: Haben Sie eine Ahnung, wie viele Identitäten Sie oder andere Leute in Ihnen entstehen ließen?
[CM]: An die einhundert, und alle bis auf 23 konnten bis jetzt integriert werden.
[WM]: Also haben Sie immer noch ca. 23 Persönlichkeiten in sich. Können Sie uns etwas erzählen über die einzelnen Identitäten, haben die Ihnen irgendwie geholfen, oder
[CM]: Oh ja. Die haben mir alle geholfen. Deshalb habe ich sie geschaffen, um zu überleben. Jede Identität, jede Persönlichkeit wird zu einem traumatischen Zeitpunkt geschaffen. Anders geht das nicht. Nur so kann man sich zerteilen, während einem traumatischen Ereignis. Diese Identität entsteht, um etwas für dich zu tun, genau gesagt, um Schmerzen abzunehmen. Wenn du etwas tun musst, das komplett gegen deine Natur ist, dann erschaffst du dir jemanden, der das für dich tut. Nicht willentlich, das ist ein unbewusster Prozess. Sie haben mir alle geholfen in dem Sinn, dass sie mir Dinge abnahmen, die ich nicht tun konnte. Ich habe eine, die sehr, sehr wütend werden kann. Sie kam immer dann heraus, als ich zornig wurde auf meine Mama oder auf andere Leute, die mir weh taten. Ich selbst konnte nicht wütend werden, ich hatte Angst davor. Dafür habe ich dann Leslie. Sie haben mir geholfen, Dinge für mich getan, zu denen ich nicht fähig war. Dennoch können sie nichts tun, was gegen meine Innerste Natur gewesen wäre. Keine davon kann etwas tun, das ich im Innersten für falsch halte, zum Beispiel jemanden umbringen. Keine davon ist böse, sie sind alle gut.
[WM]: Was hat dazu geführt, dass Sie Ihre Erinnerungen wieder erlangten?
[CM]: Im Oktober 1992 passierte etwas, das gar nichts mit der ganzen Sache zu tun hatte. Man hat mir später gesagt, dass viele Opfer von Kindesmisshandlung später Opfer anderer Verbrechen, Gewalt, werden, einfach deshalb, weil die Täter sich Leute aussuchen, die wie Opfer aussehen. Ich wurde in meiner Wohnung brutal vergewaltigt. Ich arbeitete als Krankenschwester, hatte Nachtschicht, kam morgens heim, und da wartete ein Mann auf mich. Das war wirklich traumatisch. Ich habe erstmal niemandem davon erzählt. Ich habe versucht, damit selbst fertig zu werden, habe das aber nicht geschafft. Ich wurde depressiv, hatte Suizidgedanken. Endlich rief ich die Polizei. Die Polizei empfahl mir meine jetzige Therapeutin Valerie Wolf als Sachverständige im Prozess gegen meinen Vergewaltiger.
[WM]: Haben Sie zu dieser Zeit Fortschritte gemacht?
[CM]: Ja. Das mit der Verhandlung hat sich 2 1/2 Jahre hingezogen, und ich war während der ganzen Zeit in Therapie. Zu dieser Zeit kamen die Erinnerungen zurück. Etwa sechs Monate nach diesem Vorfall. Plötzlich kamen diese Erinnerungen, und sie hatten nichts mit der Vergewaltigung zu tun. Offensichtlich Dinge, die in meiner Kindheit passiert waren. Zuerst erinnerte ich mich nur an meine Mutter, wie sie mich geschlagen hat. Dann kamen Leute, die ich von meiner Kindheit kannte, dann Fremde, Doktoren, Uniformierte, Militärs. Orte, an die ich mich nicht erinnern konnte, dort gewesen zu sein, wie Maryland. Ich dachte, dort nie gewesen zu sein, hatte aber Erinnerungen an diesen Ort, an Leute, die mich verletzen, Dinge mit mir machen, Tests, mich in einem Hörsaal voller Leute irgend etwas aufführen ließen. Solche Erinnerungen kamen zurück, und das ging schnell. Wenn das einmal ausgelöst ist, bricht das heraus, und du bist so überwältigt davon. Wenn du da nicht schon in Therapie bist, kommst du sehr wahrscheinlich in eine Klinik, wegen Selbstmordversuchen, du willst dich zuerst selbst töten. Du kannst damit nicht umgehen, willst das alles nicht wahrhaben. Die Erinnerungen sind so real, so lebendig, du weißt, das muss passiert sein dann holst du dir Informationen, du findest heraus, dass diese Orte existieren, dass die Personen reale Personen sind. Am Ende gibt es keinen Weg um die Tatsache herum, dass das reale Erinnerungen sind. Du tust alles, um zu beweisen, dass sie falsch sind, dass das alles nie passiert ist, dass du die Person ausgedacht hast. Du versuchst zuerst zu widersprechen, dann zu verdrängen.
[WM]: Waren Sie es oder war es Ihre Therapeutin, wer hat versucht, die Informationen Ihrer Erinnerung nachzuprüfen?
[CM]: Zuerst beide nicht. Zuerst kamen diese Erinnerungen hoch, und nach einer Weile versuchte ich mir einzureden, dass das nicht passierte. Man kann es nicht beweisen. Doch dann begann ich, mir alles aufzuschreiben meine Schatten nenne ich sie meine anderen Identitäten sie kamen heraus, schrieben Gespräche auf, die ich mithörte, Beschreibungen von Orten, an denen ich war, von Dingen, die mir passiert sind. Sie schrieben das an mich wie in einem Brief. »Erinnerst du dich, Claudia, an den Oberst, der uns besuchte?«, sie beschrieben ihn, nannten einen Teil seines Namens. Nun, irgendwann sagte die Therapeutin, »wir sollten versuchen zu ergründen, ob das real ist oder nicht«. Vorher wollte sie das nicht, der Sinn der Therapie sei in erster Linie, mit den Erinnerungen umzugehen, wenn sie kommen. Es sei nicht so wichtig, ob die Erinnerungen wahr oder falsch seien. Ich wollte das aber wissen, wollte wissen, ob die Personen real waren. Sie wusste es nicht, kannte niemanden, kannte die Orte nicht. Also hat sie bei Leuten überall im Land herumgefragt: Ja, der Beschriebene war an CIA-Experimente der Regierung beteiligt. Die Leute riefen mich an, stellten Detail-Fragen, ich beschrieb alles ganz genau. Leute, die ich nie getroffen haben soll. Leute, die ein Jahr zuvor verstorben waren. Orte, Innenräume von Gebäuden, wo ich nie gewesen sein soll, konnte ich genau beschreiben. So wurde das überprüft.
[WM]: Haben Sie oder andere Leute für Sie Orte, die Sie beschrieben haben, noch einmal besucht?
[CM]: Ein paar habe ich zusammen mit meiner Therapeutin besucht. Ich empfehle es nicht, Orte wieder zu besuchen, an denen man missbraucht worden ist. Man bekommt sofort einen »flashback«. Wir waren in und um New Orleans, in einem Camp, einem Arsenal, wo jetzt Polizei trainiert, dort durften wir uns umschauen. Es hieß Camp Nichols, Dr. Wilson Greene hielt sich dort auf, wenn er in New Orleans war. Ich war in der Tulane-Universität, das war beängstigend, so viel war dort passiert. Ich zeigte ihr das Zimmer dort, jetzt wurde es nicht mehr benutzt, aber vieles sah noch so aus wie damals. Andere Leute haben weitere Informationen nachgeprüft; der einzige Ort, wo niemand eingelassen wurde, war Edgewood Arsenal in Fort Detrick, Maryland.
[WM]: Erinnern Sie sich an Experimente im Edgewood-Arsenal?
[CM]: Ja, Ich war dort. Ich konnte es beschreiben, doch nur wenige Leute waren jemals dort drin. Man hat Interviews für mich durchgeführt mit Personen aus meiner Kindheit. Sie erinnerten sich auch an mich, aber unter dem Namen »Crystal Stone«, das war mein Deckname für die Experimente. Ein Mann konnte meine Erinnerung an einen Raum mit dem Bild von Dr. Greene bestätigen. Auch ein Arzt wurde interviewt, den man meinetwegen nach Tulane geholt hatte, und der sich weigerte, das Experiment durchzuführen, sie gaben mir Elektroschocks, ich war erst 14 zu dieser Zeit. Der Arzt war wütend, sagte »Niemand hat mir gesagt, dass Sie Kinder dafür nehmen!«, dieser Arzt erinnerte sich später noch an mich: »Oh ja, dieses dünne blonde Mädchen Crystal«. Das war ein Beweis! Nun, er hat darum gebeten, seinen Namen nicht zu nennen.
[WM]: Noch einmal nachzuvollziehen, als Sie das erste Mal wegen der Vergewaltigung zur Polizei gingen, an was haben Sie sich da zuerst erinnert, bevor Sie zu Valerie Wolf kamen?
[CM]: Also, was das angeht, da hatte ich keinerlei Erinnerungen. Hauptsächlich hatte ich Alpträume wegen der Vergewaltigung. Ich habe allerdings versucht, einige Menschen aus meiner Kindheit zu treffen, einen, wie ich dachte, Freund der Familie, ein Arzt, er war der, zu dem ich immer ging, wenn ich Probleme hatte. Es stellte sich heraus, dass er mein »Monitor «war, mein »Controller«. Seine Aufgabe war, mein ganzes Leben zu überwachen, dafür zu sorgen, dass meine Erinnerungen nie zurück kommen. Falls doch, brächte er mich wieder nach Tulane. Aber für mich war er ein guter Mensch eine Art Onkel. Dann rief ich Dr. Robert Heath an, ich wusste, er war ein Arzt, zu dem ich als Kind öfters ging, ein freundlicher alter Mann, der mich immer gut behandelt hat. Welche Art von [Fach-] Arzt er war, wusste ich nicht, ich kannte den Namen und schaute im Telefonbuch nach, rief an, er sagte, ich solle vorbei kommen. Er kannte mich noch. Nein, nach der Vergewaltigung hat das noch drei Monate gedauert, erst als ich in der Klinik war, da gab es Flashbacks über andere Menschen. Alle waren ziemlich durcheinander deswegen Ärzte, Schwestern, wenn Patienten wegen einem aktuellen Trauma behandelt werden, dann haben sie Flashbacks, aber das sind Flashbacks über dieses Trauma, nicht über andere Geschichten. Und mein Zustand wurde schlimmer, nicht besser. All die Medikamente, die Gruppentherapie, die Suizid-Wachstation nichts half. Es wurde nur noch schlimmer. Ein paar mal bin ich abgehauen, aber man hat mich zurückgebracht. Die Erinnerungen kamen dann nach und nach zurück das hat Methode zuerst kamen die über die Familie. Wie mich meine Mutter missbraucht hatte, das hatte nichts mit Tulane oder irgendwelchen Ärzten zu tun ich dachte, aha, du bist also von der Mutter und ihren Freunden missbraucht worden. Als nächstes kam das Camp auf der anderen Seite des Sees, dann Tulane, dann all die anderen Orte, das prasselte herein wie Schneebälle. Die Erinnerungen kommen daher, eine nach der anderen. Das ist schwer zu verkraften. Ohne meine anderen Persönlichkeiten hätte ich das wohl gar nicht überlebt. Sie kommen heraus, und du kannst sagen: »Heute abend will ich keine Erinnerungen, ich will Essen gehen, kannst du das für mich übernehmen?«. Man kann dann essen oder schlafen, ohne den ständigen Flashback.
[WM]: Wie hat Ihnen die Therapie damals geholfen, in der Situation als all diese Erinnerungen wieder zurück kamen?
[CM]: Einmal hat es mir Sicherheit gebracht. Valerie Wolf hat dafür gesorgt ich musste einen Vertrag mit ihr machen, dass ich mir nichts antue und wenn ich solche Gedanken bekomme, dass ich ihr das dann sofort sage. Diesen Vertrag schloss sie mit mir ab und mit jeder einzelnen Persönlichkeit, die aus mir heraus kam jedenfalls mit denen, die oft heraus kamen, es kamen nicht sofort alle. Das wäre auch schlecht möglich gewesen bei um die hundert Stück, aber über die Jahre kamen sie alle heraus. Sie kommen heraus, geben dir Erinnerungen, dann gehen sie wieder nach innen, und dann verschmelzen sie mit dir, ihr Job ist damit erledigt. Die Therapie hat mich am Laufen gehalten, Tag für Tag. Es waren viele Nächte, an denen ich sie anrufen musste, mitten in der Nacht, damit sie mir hilft, mit den Flashbacks fertig zu werden. Das ist das Schlimmste, diese Flashbacks. Du bist da in der Wirklichkeit dieser Erinnerung, es passiert dort und damals. Mein Mann hat versucht, mich aus solchen Flashbacks herauszuholen, und ich dachte, er ist der Mensch, der mich verletzt. Ich habe ihn angegriffen. Das Problem ist in erster Linie die Sicherheit. Man will nicht dauernd unter Drogeneinfluss sein, nicht dauernd in der Klinik die Therapie ist wirklich wichtig.
[WM]: Können Sie beschreiben, wie ihre Therapeutin versucht hat, Sie heilen zu helfen, sich erinnern zu helfen?
[CM]: Nun, der Anfang jeder Heilung ist das Erinnern. Sie war einfach da für mich sie hat mich nicht ermutigt, mich zu erinnern, das geht von selbst, du kannst da gar nichts machen. Sie war einfach da, sie sagte, »An was erinnern Sie sich noch?«, einfach jemand, an den du deine Erinnerungen weiter geben kannst, der dir glaubt das ist sehr wichtig, dass dir jemand glaubt. Du erinnerst dich an all diese schlimmen Dinge, irgendwann hast du den Punkt erreicht, dass du das verleugnest, irgendwann verstehst du, dass das so passiert ist, und dann brauchst du jemanden, der dir glaubt. Das ist ein Teil des Heilungsprozesses. Sie war da, um mir zu helfen, mich zu erinnern, und mir dabei Sicherheit zu geben es ist tatsächlich so, dass du dann den körperlichen Schmerz fühlst, was damals passiert ist, du fühlst genau den selben Schmerz. Du meinst, du wirst festgehalten, was da passiert du kannst das wirklich fühlen wie gefesselt, aber ohne dass du die Fesseln auf der Haut spürst. Ein wahnsinniges Gefühl, als ob du halluzinierst, aber du halluzinierst nicht. Du bist einfach gefangen in dieser Erinnerung an damals. Sie hält dich davon ab, dass du dich verletzt, dass du zur Tür raus rennst du tust sowas, du willst abhauen, du springst hin und her zwischen der Erinnerung und dem Jetzt. Das ist kein beständiger Zustand. Du bist in einem Prozess, du erinnerst dich an etwas Schlimmes, und du klickst hinein das Hier und Jetzt klickt dich hinein du sagst, »ok, ich mag nicht mehr, ich will hier raus«, du rennst zur Tür hinaus. Sie musste mich ein paar mal einfangen, um mich sicher im Zimmer zu halten. Viele Leute können so etwas nur stationär machen, ich hatte das Glück, dass die Therapeutin das draußen machte eine Klinik ist keine gute Umgebung für sowas. Es war einfacher in einer vertrauten Umgebung eines zweiten Zuhause, nicht einer Klinik. Mir war in Kliniken so viel widerfahren, dass das der letzte Ort war, wo ich sein wollte. Das Nächste, wie gesagt: Die Erinnerungen überprüfen. Wenn das, was ich gerade geschildert habe, vorbei ist, dann verarbeitest du das erstmal. Ich habe sie gefragt, »Können Sie bitte für mich herausbekommen, ob es in Kalifornien einen Mann namens James Hamilton?«, »Gibt es einen Ort in Kalifornien, der Vacaville heißt?«. Sie hat dann alle möglichen Berater und Experten angerufen, hat ihnen gesagt, »das sind die Informationen von meiner Patientin«, sie wusste nichts von den Dingen. Sie las nichts darüber, um mich nicht durch fremde Informationen zu beeinflussen, um nicht meine Erinnerungen verfälschen. Sie redete sowieso so wenig wie möglich, ermutigte mich, zu erzählen, stellte manchmal vertiefende Fragen.
[WM]: Es wurde einiges Material veröffentlicht über traumatische Erinnerungen und die unterschiedliche Art, wie das Gehirn sie verarbeitet im Gegensatz zu normalen Erinnerungen. Danach bringt es einen zurück zu dieser »raw experience« (etwa: Grob-Erfahrung), die auch körperliches Erinnern einschließt. Das scheint auch Ihre Erfahrung gewesen zu sein
[CM]: Stimmt. »Raw experience«. Das ist eine gute Beschreibung.
[WM]: Glauben Sie, dass sie all diese Erinnerungen noch einmal durch-leben mussten, um die dazu gehörige Identität zu integrieren, oder gab es andere Wege?
[CM]: Man hat mir gesagt, dass das individuell verschieden ist. Jeder hat einen anderen Heilungsweg. Für mich gesehen, für mich ist es wichtig, durch diese Erinnerungen durch zu gehen. Warum, weiß ich nicht. Wenn ich wählen könnte, würde ich das anders machen. Einfach darüber reden, sagen, gut, ist so passiert, dann und dann, ich war zwölf Jahre alt ich würde gerne nur darüber reden statt alles noch einmal zu erleben. Aus irgend einem Grund kann ich es aber nicht hinter mich bringen, nicht weiter machen, damit fertig werden, ohne noch einmal durch alles durchgegangen zu sein. Nur, dieses Mal hast du das Gefühl, dass das alles lange her ist, dass die betreffende Person nicht mehr wirklich hier ist, dass du in Sicherheit bist. Das ist aber der einzige Unterschied. Du fühlst, du weißt, Valerie ist da, die Therapeutin ist da, auch wenn du wieder gefangen bist in einer anderen Zeit doch hast du immer das Gefühl, dass sie [Valerie] Sicherheit gibt, dass sie nicht zulassen wird, dass die dich wirklich verletzen, und dass die betreffende Person [der damalige Täter] nicht zurück kommen kann und dich holen und dass sonst niemand von allem weiß, dass das privat bleibt. Nun, ich muss die Erinnerungen durch-leben, muss die Einzelheiten von dem Schatten [der abgespaltenen Identität] bekommen, dann kann eine Integration stattfinden. So sind die meisten meiner Schatten gegangen, haben sich erinnert und dann integriert.
[WM]: Zur Klarheit für die Zuhörer: Wir reden über andere Identitäten in Ihrem Inneren
[CM]: Ja. Über meine Identitäten, meine anderen Persönlichkeiten. Ich nenne sie »Schatten«. Es sind alles kleine Mädchen, zwischen einem Jahr und sechzehn Jahren. Alle hundert waren kleine Mädchen. Ich hatte keine Jungs, Männer, Tiere, Roboter, all das was andere Leute durchaus haben. Meine sind nur unterschiedlich alt. Fünf etwa sind zehn Jahre alt, es sind so viele, weil, da gab es ein paar Jahre, die waren richtig schlimm, da ist so viel passiert, da habe ich fast das ganze Jahr in der Schule gefehlt. Ein Wunder, dass ich die Schule überhaupt geschafft habe. Wir sind dort hingegangen und haben meine Schulakten angeschaut. Es gab auch Aufzeichnungen über meine Fehltage, und die stimmten mit meinen Erinnerungen überein. Ich habe fast jeden Donnerstag und Freitag gefehlt, die Wochenenden, Sie wissen ja. Ich habe keine Geburtstagsfotos, zum Geburtstag wurde ich immer weg geschickt. Ich habe auch keine Weihnachtsfotos, aber viele von Ostern. Ostern ist ein wichtiger katholischer Feiertag, ich wurde katholisch erzogen, musste am Ostersonntag in der Kirche sein, sonst hätten die Leute Fragen gestellt. Nun, andere Leute müssen nicht durch all die Erinnerungen noch einmal durchgehen, sie können einfach darüber reden. Ich konnte kaum etwas verarbeiten, indem ich nur darüber redete, ich musste alles, fast jede einzelne Erinnerung nochmal durch-leben. Ich denke, dadurch wird das für mich erst real.
[WM]: Wie lange hat der Heilungsprozess gedauert? Sind Sie noch in Therapie?
[CM]: Bin ich noch, ja. Trotzdem arbeite ich fast Vollzeit als Krankenschwester. Ich konnte viereinhalb Jahre nicht arbeiten, war berufsunfähig geschrieben, war so oft in Therapie, fast jeden Tag außer am Wochenende. Ich war nicht arbeitsfähig. Ich war einfach zu erschöpft. Ich nahm Medikamente. Heute gehe ich pro Woche ein, zweimal zur Therapie, es geht hauptsächlich darum, zu verarbeiten, zu reden, was passiert ist, zu reden, wie ich über die Menschen denke. Ich habe jetzt alle Erinnerungen wieder zurück, das Schlimmste ist vorbei jede Einzelheit nachzuvollziehen. Das ist jetzt geschafft. Das war vom Frühjahr 1993 bis kurz vor Weihnachten 1996.
[WM]: Als Sie bei den Radiation Hearings aussagten, waren Sie also erst auf halbem Wege
[CM]: Etwas darüber, was die Erinnerungen betrifft. Würde ich heute aussagen, wäre das viel genauer. Mehr Details, viel mehr Namen, Orte. Ich hatte damals noch nicht alle Erinnerungen zurück. Aber es gab genug, das überprüft war, und genug, das das Komitee interessierte glücklicherweise.
[WM]: Sie haben ein photographisches Gedächtnis?
[CM]: Einer meiner Schatten hat ein photographisches Gedächtnis. Damit kann ich ein photographisches Gedächtnis nutzen, habe aber nicht immer Zugriff darauf. Anders gesagt: Claudia hat kein photographisches Gedächtnis, aber ein Teil von mir schon. Ich habe es nicht 100 Prozent der Zeit, aber ich nutzte es oft damals als Kind unbewusst war es mir doch wichtig, alles festzuhalten, alles, was mir widerfahren ist, jeden Namen, jedes Gesicht. All die Leute festhalten, die mich verletzt haben. Ich wusste nicht warum. Mag sein, dass ich im Unterbewussten dachte, es mal irgendwann irgendwem erzählen zu können. Jemandem, der mir zuhörte. Und zwar, weil man mir immer sagte, niemandem die Geheimnisse erzählen. Und was passieren würde, diese schrecklichen Dinge, wenn ich es doch täte. Ich habe zweimal versucht, jemandem etwas zu erzählen damals, zwei verschiedenen Leuten, und jedesmal wurde ich dafür bestraft. Nun, ich habe meine Lektion gelernt und nie wieder etwas gesagt.
[WM]: Wer waren diese zwei Leute?
[CM]: Als ich sieben war, redete ich mit der Schulschwester. Ich war auf dem Camp am Wochenende zuvor, Mr. Fenners Camp. Es war schlimm. Ich blutete aus der Vagina. Ich war voller blauer Flecken und Kratzer, meine Mutter zog mir diesen fleischfarbenen Turnanzug an zur Schule und die Uniform darüber, so dass man die ganzen Verletzungen nicht sah. Sie hat mir eine Binde gegeben, wie man sie in der Periode nimmt, und mich in die Schule geschickt. Meine Lehrerin hat mich dann zur Schulschwester gebracht, weil ich so bleich und krank aussah. Nun, ich habe der Schwester etwas erzählt. Sie fragte: »Wie ist denn das passiert?«, ich sagte, »das war meine Mama«. Sie sagte, »nein, das kann nicht stimmen, wie ist das passiert?«, ich sagte, »meine Mama dieser Mann hat mit mir etwas gemacht, und ich will nicht nach Hause zurück«. Da sagte sie mir, ich soll mich hinlegen und ausruhen. Ich dachte, sie würde die Polizei holen und meine Mutter festnehmen lassen. Statt dessen rief sie meine Mutter an, dass sie mich abholt, und sie sagte ihr, was ich über sie erzählt hatte. Natürlich habe ich damals drei Tage in der Schule gefehlt, weil sie das an mir ausgelassen hat.
[WM]: Ihre Mutter hat Sie bestraft
[CM]: Und als ich vierzehn war, habe ich jemandem etwas gesagt, und wieder haben sie es der Mutter erzählt nein, es war mein »Monitor«, Dr. Brown, Freund der Familie und bester Freund von Mr. Fenner und auch von Dr. Robert Heath von Tulane und vielen der CIA. Er hat sogar in den Fünfzigern mit Martin Orne (einer der Schlüsselfiguren von Mind Control, war Vorsitzender der American Psychiatric Society und später der False Memory Syndrome Foundation, einer kriminellen Organisation, die den alleinigen Zweck hat, zu behaupten, die Erinnerungen der Mind-Control-Opfer seien nichts anderes als Fehlfunktionen kranker Gehirne) zusammen gearbeitet, war mit ihm befreundet. Nun, ihm habe ich erzählt, was passiert war. Ich sagte, das waren schlimme Dinge, ich will nicht nach Hause, will die Ärzte nicht mehr sehen. Natürlich hat er mich bestraft und meine Mutter informiert. So, das waren die zwei einzigen male, wo ich irgend jemandem erzählt habe, was vor sich geht. Ich habe meine Lektion gelernt, nichts rauszulassen. Aber ich habe alles gespeichert in meinem photographischen Gedächtnis. Ich konnte mich an komplette Konversationen erinnern, konnte beschreiben, was die Leute jeweils an hatten, wie sie klangen, wie der Ort aussah, wie die Stimmung war, alles. Das ist der Grund, warum ich so viel Information geben konnte. Kein Nebel von Ereignissen, sondern Details, man sagte mir, das sei nicht sehr häufig, die meisten Leute erinnerten sich an viele Details nicht. Sie erinnern sich an Schmerzen und Gefühle, aber nicht an kleine Einzelheiten, oder sie versuchen, sich nicht daran zu erinnern.
[WM]: Können wir vielleicht ein paar dieser Einzelheiten näher betrachten, vielleicht über ein paar der Leute, die die Experimente durchführten
[CM]: Es sind so viele, Sagen Sie mir welche Zeit interessiert Sie, welches Alter
[WM]: Vielleicht können wir chronologisch vorgehen welche Art von Experimenten waren das am Anfang, wer hat das gemacht, und vielleicht wissen Sie, was für verschiedene Projekte zu dieser Zeit durchgeführt wurden
[CM]: Okay. Wie gesagt, ich war acht Jahre alt, als man mir sagte, ich würde für die Teilnahme an diesem großen Projekt getestet werden. Wie haben sie da genannt es war für den Präsidenten der USA, sollte den Kommunismus stoppen helfen, es klang sehr spannend diese Leute angeblich Ärzte diese wichtigen Leute kamen aus dem ganzen Land, um mich zu testen. Meist war ich in Tulane dafür. Einige waren Persönlichkeitstests. Meist haben das Männer gemacht. An eine Frau erinnere ich mich besonders, Phyllis Greenacre, sie war aus Cornell. Ich wusste damals nicht, dass das eine Schule war, merkte mir nur das Wort. Die anderen waren Männer. »Sag doch Onkel (irgendwas) zu mir«. Onkel John kam aus Oklahoma und testete meine Persönlichkeit. Es gab Namen für die einzelnen Tests, aber im Kern ging es darum, zu wem ich gut passte, mit wem ich am besten auskäme. Ich glaube, sie wussten schon, was sie mit mir vor hatten, wollten aber genau wissen, wozu genau ich am besten geeignet war für das Projekt. Er testete mich, sagte, ich wäre geeignet für ältere Männer »Papis« oder »Onkel«. Das wäre, was ich brauche, Zuneigung von älteren Männern. In meinem Leben war meine Adoptivmutter so dominant, so schrecklich, so Angst einflößend, und mein Adoptivvater war kränklich und sehr schwach, er stoppte meine Mutter nie, wusste, was los war, stoppte das nie. Da suchte ich wohl nach dem Mann »B«, dass er mich retten würde. Also, sein Name war Onkel John oder der »Gittinger«. Ich musste mir diese Leute über ihre Charakteristiken merken, über Dinge, über die sie redeten, oder über seltsame Eigenheiten es waren so viele in meinem Leben, sie kamen und gingen, nur mit Namen, Gesichtern und woher sie kamen, wäre das nicht möglich gewesen, also gab ich ihnen Spitznamen. John Gittinger war der »Ziegenbart«. Dann war da »Onkel Sid« Gottlieb, den nannte ich »Stein-im-Schuh«, er lief so seltsam, er hinkte. Gittinger sprach hauptsächlich nur mit mir, versuchte herauszufinden, wie ich war, ob ich gehorsam war. Sie testeten mich auf mein Erinnerungsvermögen, das war natürlich sehr gut, und das war wichtig. Sie machten IQ-Tests. Ich habe vorhin Phyllis Greenacre erwähnt, die machte mit mir Sexual-Tests, wie ich sexuell ansprach. Sie kam zu dem Schluss, dass ich auf Frauen nicht gut ansprach wegen Erfahrungen mit meiner Mutter. Ich hasste es, wenn Frauen mich berührten, mich untersuchten. Mit Männern war das nicht so schlimm, offensichtlich assoziierte ich alle Frauen mit meiner Mutter. Phyllis Greenacre erinnerte mich sehr an meine Mutter, ich konnte sie nicht leiden. Ich saß im Raum, hörte wie sie redeten, als ob ich gar nicht anwesend wäre. Ich denke, niemand rechnete damit, dass ich auch nur ein Wort kapierte, ich war erst acht, wie sollte ich wissen, über was sie sprachen. Sie nahmen mich dazu nicht mal aus dem Raum. Sie sagten, ich spräche auf ältere Männer an und reagierte schnell auf physische Stimulation. Sie haben dich da wirklich stimuliert um zu sehen, was passiert. Sie hatten da Maschinen, aus denen Drähte und Schläuche raus kamen, und die haben sie dir reingesteckt, haben dich so stimuliert und dich dann bewertet, Das klingt wirklich verrückt.
[WM]: Und das alles, als Sie etwa acht Jahre alt waren
[CM]: Ein ganzes Jahr lang wurde ich in Tulane herumgereicht und auf alles Mögliche getestet. Um zu sehen, wie leicht ich zu hypnotisieren war, waren viele Leute da, Martin Orne ihn nannte ich »den Primitiven« (ornery = primitiv, billig, mistig - am. coll.) oder »Wiesel«, wegen seinen Augen, er war wirklich Angst einflößend. Er hypnotisierte mich und sagte, das ginge bei mir leicht und schnell, nannten das »leicht und schnell induzierbar«. Das war wohl das entscheidende Kriterium. Du brauchtest einen bestimmten IQ, ein gutes oder ausgezeichnetes Gedächtnis, musstest einfach und schnell zu hypnotisieren sein und die Fähigkeit haben, zu dissoziieren. Die imaginären Freunde sie waren sehr froh, als sie hörten, dass ich in mir drin imaginäre Freunde hatte. Und du musstest eben gut auf Leute ansprechen und gehorsam sein. Das war ich. Man hatte mir immer beigebracht es gab keinen anderen Weg in meinem Leben. Warst du nicht gehorsam, wurde dir wehgetan. Meine Mutter hat mich das gelehrt. Ich habe immer auf Erwachsene gehört, getan was sie sagten, egal wie seltsam oder schlecht mir das erschien. Meistens waren es ziemlich schlimme Dinge, die ich tun musste, alle Kleider ausziehen und so. Ich habe nicht rumgemacht, ich habe es einfach getan, weil die Konsequenzen sonst schlimm waren. Nun, das waren diese Tests.
[WM]: Was, meinen Sie, waren die Faktoren, die man in Ihnen gesucht hat? Was hat man versucht zu erreichen, in dem man all diese Dinge mit Ihnen gemacht hat?
[CM]: Zurückblickend damals hatte ich natürlich keine Ahnung auch später, als man mich zu einem Trainings-Camp weggeschickt hat nach Maryland, habe ich es nicht wirklich verstanden. Wenn ich jetzt zurück blicke, weiß ich, sie suchten jemanden für Sex-Köder, Erpressung. Sie brauchten jemanden, der gut auf Fremde ansprach, Männer, und mit gutem Gedächtnis, in diesem Camp lehrte man mich das »coercing«, wie man Leute dazu bringt, dass sie möglichst viel Information über sich preis geben. Sie redeten ja mit einem Kind. Und sie taten sexuelle Dinge einer Art, wie sie es nicht tun durften. Ja, sie gaben wirklich viel Information über sich selbst preis, über ihre Jobs, du musstest nur die richtigen Fragen kennen, du kannst sie dazu bringen, über fast alles zu reden, was sie selbst betrifft. Onkel Richard hat immer gesagt, es ist unglaublich, was Leute alles eingestehen, wenn sie in Gesellschaft eines jungen Mädchens waren. Sie denken gar nicht darüber nach, was sie sagen. Wie gesagt, die Tests hatte ich bestanden, und im Sommer darauf wurde ich in das Camp geschickt. Ich dachte, »Oh nein, kein Camp nur das nicht«, aber sie sagten, das sei ein wirklich schönes Camp, in Maryland. Sie baten meine Mama um Erlaubnis, sie unterschrieb natürlich alle Papiere, ohne Fragen zu stellen. Man brachte mich zu einem Zug nach Deep Creek Lodge, Maryland. Es war wirklich hübsch, außenrum Wasser. Für mich war das wie Disneyland, auch wenn ich das damals nicht kannte. Das Essen war prima, und die Leute haben dir nicht weh getan, nicht so wie ich das gewohnt war. Sie behandelten dich wie eine wichtige Person, wie etwas Besonderes, und sie sagten mir, ich würde jetzt lernen, wie man Männer sexuell befriedigt. Ich war neun Jahre alt. Ich wusste nicht, was es bedeutete, »Männer sexuell befriedigen«, aber ich wusste: wenn ich gut bin, wenn ich mich gut betrage, dann darf ich bleiben. Ich blieb dort drei Wochen. Das wahren wohl die besten drei Wochen meines Lebens bis da hin. Dort waren andere Kinder, ab fünf, sechs Jahren, jünger als ich. Auch junge Frauen, Teenagers, verschiedenste Altersstufen, auch Jungs. Die ersten paar Tage haben wir uns zwar gesehen, waren aber doch ziemlich allein. Du wurdest einem Erwachsenen zugeteilt, du verbrachtest die drei Wochen mit ihm in einer Art Ferien-Bungalow. Ein Experte sagte mir später, dass das ein CIA-Trainingsgelände war, aber auch für einen Urlaub zu buchen war, kostenlos für CIA-Leute. Jedenfalls sah mein Tag so aus, dass ich bei diesem »Onkel Otto« war, so sollte ich zu ihm sagen, er war ein Arzt aus Kansas. Ich sollte mir auch für mich einen Namen ausdenken, ich nahm Ava, wie Ava Gardener, ich liebte Filmstars. Wir verbrachten den Tag am Pool oder im Zimmer, spielten Spiele, die er mir beibrachte. Die meiste Zeit hatte ich gar nichts an. Er meist auch nicht. Aber nach einiger Zeit achtetest du da nicht mehr darauf. Du warst nicht mehr verlegen. Es war schließlich nur eine Person, du musstest nicht nackt vor all diese Fremden, das war schon wesentlich besser. Du musstest nicht diese furchtbaren Dinge machen, wo Leute zu schreien anfingen, wo es Blut gab. Er hat mich natürlich sexuell belästigt, aber er hat mich nicht wirklich vergewaltigt, es war in diesem Sinn nicht physisch schmerzhaft. Alles war irgendwie besser als das, was ich gewohnt war, das waren richtig Ferien. Eines Abends etwa nach der ersten Woche brachte mir Onkel Otto dann wie angekündigt diese Dinge bei, wie man Männer sexuell befriedigt. Ich tat das nicht gerne, das war eklig, doch ich dachte, na gut, das musst du tun, damit sie dir nicht weh tun, damit sie dich gut behandeln, damit es gutes Essen gibt, damit du nicht hungern musst. Meine Mutter ließ mich manchmal hungern, wenn wir zu einem Camp fuhren. Manchmal gab es nur eine Orange oder sowas. Hier gaben sie dir wirklich etwas, das war wirklich eine Verbesserung. Ich dachte mir, ich muss dieses Ekel-Zeug machen, also mach's halt. Klar kamen verschiedene Schatten heraus, um mir zu helfen, so dass nicht immer ich selbst alles tun musste. Nach der ersten Woche kamen andere Leute zu Besuch, andere Männer, und mit denen hat man mich dann zusammen in ein Zimmer gebracht. Ich musste tun, was sie sagten, aber da war keine Gewalt dabei. Meistens haben sie mich irgendwie belästigt, oder ich musste ihnen irgendetwas machen, ich wusste, das wurde gefilmt. Sie haben mir das mit der Kamera hinter dem Spiegel gezeigt, und ich musste sie dazu bringen, von sich selbst zu erzählen. Danach ging ich in das andere Zimmer, dort waren »Stein-im-Schuh«, einer namens »Morgan Hall«, in Wirklichkeit war das Captain White, Morse Allen, der »Telegraf«, und Onkel Otto. Manchmal noch mehr Leute. Sie ließen mich die Leute beschreiben, alles zu wiederholen, was sie zu mir gesagt hatten es ging darum, möglichst viel von dem jeweiligen Ereignis zu behalten. Dann zeigten sie den Film, um zu sehen, wie genau ich mich an alles erinnert hatte. Sie lobten mich, wenn ich es gut gemacht hatte, oder wenn ich etwas Wichtiges vergessen hatte, erklärten sie es mir, auch wenn ich etwas hätte besser machen können, etwa ihn dazu zu bringen, dass er mehr über seine Familie spricht.
[WM]: Hatten Sie den Eindruck, dass die anderen Männer von der Kamera hinter dem Spiegel wussten?
[CM]: Klar, die wussten das alle, denn erstens sollte ich darüber reden, zweitens schaute man sich den Film an, den man an diesem Tag aufgenommen hatte.
[WM]: Ich meine die Männer, dort in diesem Zimmer
[CM]: Nein, nein, klar. Die nicht. Ich weiß nicht, wer die waren kann sein, Soldaten weiß ;nicht. Die wurden eingeflogen wie Schauspieler. Nein, sie wussten davon nicht, sie verhielten sich nicht so.
[WM]: Sie meinen also, der Zweck dieser Experimente mit Ihnen war, Sie später zur sexuellen Erpressung einzusetzen, als Köder?
[CM]: Ganz bestimmt. Als ich dann älter wurde, sagte man mir, sie würden mich »im [Schlacht-] Feld« einsetzen. Aber das ging erst ab einem bestimmten Alter sie konnten wohl schlecht eine Neun- oder Zehnjährige mit einem Mann in ein Hotelzimmer stecken, sie mussten warten, bis ich zwölf, dreizehn war. Aber sie sagten mir, dass sie das so machen würden. Es ging darum, bestimmte Leute so zu filmen Captain White hat mir das gesagt, das war sein Ressort. Für mich hieß er »Martini«, weil er immer Martini trank. Und er trug eine Waffe, sagte, er wäre einmal Politiker gewesen. Er sagte mir, was sie taten von Leuten, die Dinge taten, die sie nicht tun sollten, machten sie diese Bilder. Und ich wusste das. Ich wusste, dass das böse war. Sie hatten ihre Frauen und Kinder zuhause, und die durften davon nichts wissen. Auch die Kollegen durften nichts wissen. Also musste ich sie dazu bringen, zu erzählen, was sie so taten, von ihren Familien, von Geld. Ich wusste, dass man alles gegen sie verwenden würde. Als ich etwas älter war, kamen dann viele Politiker, viele CIA-Leute wie es kam, dass die nicht von der Kamera wussten, keine Ahnung, sie wussten von diesen Projekten sie dachten wohl, das sei nicht so in diesem Hotel, das wäre ok, niemand beobachtete sie. Naja, so wurden halt praktisch alle gefilmt
[WM]: Sie sagten, auch CIA-Leute wurden mit Ihnen gefilmt?
[CM]: Ja, Fast jeder wurde gefilmt, außer Martin Orne, dem konnten sie damit nichts anhaben, als Einzigem. Er hat aufgepasst, dass er auf keinem dieser Filme ist, jedenfalls soweit ich weiß. Vielleicht hatten sie ihm mit etwas Anderem am Wickel, aber nicht mir mir.
[WM]: Haben Sie mitbekommen, wie die Filme genau gegen diese Leute verwendet wurden?
[CM]: Sie sagten, es geht um Geld, damit die Projekte weiter laufen. Das Wichtigste aber war: Der Präsident wollte, dass die Projekte weiter laufen, und sie brauchten das Geld, denn die CIA konnte das nicht leisten, brauchte Geldgeber. Klar wollte ich dem Präsidenten helfen, sagte »ja«. Nun, er braucht Geld von diesen Leuten. Manchmal wollen die nichts mehr geben, und wenn wir diese Filme haben, nun, sie wollen nicht, dass das jemand erfährt, also geben sie weiter Geld. Ungefähr so haben sie mir das erklärt. Und dann waren da diese Ärzte, Leute mit irgend welchen Foundations (Stiftungen) im Hintergrund. Irgendwie hießen die meisten von ihnen »Charles«. Da war Doktor Charles Geshecker oder so ähnlich, der hatte eine solche Foundation oder sowas er war einer der Leute, mit denen ich gefilmt wurde.
[WM]: »Geschickter-Foundation«, war das der Name?
[CM]: Ja. Er hieß Charles, ein Arzt, mit viel, viel Geld, wie es hieß
[WM]: Die Leute, die gefilmt wurden, hatten mit der Finanzierung dieser Projekte zu tun, oder wurden dazu gezwungen?
[CM]: Manche von ihnen, ja. Ich glaube, man hatte Angst, sie könnten etwas über die Projekte verraten, also brauchten sie etwas, damit sie das Stillschweigen hielten. Da gab es z.B. einen Kerl namens Church ich wusste nur, er würde es probieren [zu reden]. Er war wichtig für sie, dieser Church. Das war später, ich ging zur Highschool. Wie erwartet, hat er am Ende andere Leute überredet, diese Projekte weiter laufen zu lassen. Eigentlich hätte er ermitteln sollen ob bei der CIA irgendwas falsch läuft nun, er gab grünes Licht, denn schließlich hatten die diesen Film mit ihm.
[WM]: Hatten Sie den Eindruck, dieser Church könnte in der Politik tätig gewesen sein?
[CM]: Ich weiß, dass einige derer Politiker waren, sie wurden mit »Senator« angesprochen. Er war einfach Frank Church. Er war Mitglied irgendeines Komitees, das die CIA überprüfen sollte, ob dort falsche Dinge getan wurden, Illegales. Sie sagten, er würde für die CIA aussagen, ansonsten würde dieser Film irgendwo auftauchen. Das hat offensichtlich funktioniert, sie machten weiter. Dann gab es einen Senator aus Louisiana, mit dem war ich einige Male zusammen. Er war schon alt, aber er war wohl in einem Kontrollorgan für die CIA. Sie sagten mir, die CIA wird immer beschnüffelt, Leute wollen immer etwas schlechtes finden, die Projekte stoppen. Nun, es musste ja weiter gehen, und wenn es sein muss, ein paar Leuten weh zu tun, dann muss das eben sein.