Zazen (japanisch: 'za' sitzen) bedeutet
»das Sitzen im Zen«, und zwar in geistiger Sammlung, in Versenkung. Zazen ist eine
jener Tätigkeiten, über die man jahrelang reden kann, schlaue Bücher lesen, ohne
ihr näher zu kommen. Man muss es machen, um es zu erfahren. Hier ein kleiner Einstieg in das
Thema mit praktischer Anleitung für eine einfache Übung
25.8.2008
Zazen mag für den Zuschauer etwas langweilig aussehen, aber das
täuscht.Niemand sollte Zazen machen auf vollen Magen, nach Genuss psychoaktiver Stoffe. Das bringt nichts, ist schädlich.
Man braucht dazu Konzentration und Ruhe für »schnell mal im Büro« ist das also nichts.
Vergesst alles, was ihr gelesen habt über Koan oder Shikan Taza. Ohne Lehrer ist das aussichtslos. Vergeudete Zeit.
Shikan Taza ist eine Übung, in der ihr 'nichts' denkt.
Ein Koan ist ein Rätsel, auf das es eigentlich keine logische Lösung gibt.
Es gibt Bücher, in denen Lösungen von Koans gedruckt werden. Lest sowas nicht. Ein Koan, dessen Lösung ihr kennt, ist für euch verbrannt, nutzlos geworden.
Zazen, jedenfalls in den Grundlagen, kann man auch ohne Lehrer erlernen und üben.
Ihr braucht eine Stellung, sicheren Halt. Am besten ist ein Kissen, oder ein kleines Bänkchen unter dem Hinterteil. Wer einen Lotus sitzen kann, prima. Wer Kampfsport gemacht hat, und die Haltung kennt, kann sich auf seine Hacken setzen. Ihr habt dann drei Aufsetzpunkte: die beiden Knie, den Po. Wer ungelenkig ist, kann sich auch auf einen Stuhl setzen. Wichtig: nicht anlehnen.
Man sitzt gerade, die Augen sind halb geschlossen, Rücken gerade, Nacken gerade. Am besten sitzt man vor einer weißen Wand. Zur Not tut es eine Wand mit möglichst wenig Mustern und optischen Ablenkungen.
Wir legen die Hände, ineinander, Handrücken in Handfläche, vor uns in den Schoß. Die linke Hand liegt in der rechten. Die Daumen berühren sich. (Nur der Buddha sitzt rechts in links gelegt. Bei einem von uns wäre es anmaßend, so zu sitzen.)
Wir atmen ruhig durch die Nase ein und aus.
Wir konzentrieren den Fokus unseres Bewusstseins auf unser Hara, im Bauch, ca. 1 Handbreit unter dem Bauchnabel. (Zum Üben kann man auch gerne diesen Bewusstseinspunkt in die verschränkten Hände legen.)
Ihr zählt.
Einfache Variante:
EINATMEN, EINS AUSATMEN, ZWEI.
Variante für Fortgeschrittene:
EINATMEN, AUSATMEN, EINS. EINATMEN, AUSATMEN, ZWEI.
So zählt ihr bis zehn, macht dann mit eins, zwei weiter.
Wenn ihr euch verzählt ( 13, 14, ), nicht ärgern.
Einfach mit »eins« neu anfangen.
Der Körper wehrt sich. Wenn ihr ruhig sitzen wollt, wird die Nase jucken, die Augen werden tränen.
Lasst die Nase laufen, die Augen tränen. Ihr sitzt, ohne euch zu bewegen, atmet, zählt.
Egal was ihr seht: Nicht ablenken lassen. Zählen.
In der Tat, das klingt nach wenig, fast läppisch. Aber probiert es aus, nicht nur einmal, nicht vor dem Bildschirm klemmend. Probiert es richtig aus. Ihr werdet staunen.
Von Anfang an sind alle Wesen Buddha.
Wie Wasser und Eis
Ohne Wasser kein Eis
Außer uns keine Buddhas.
Der Wahrheit so nah
In der Ferne wir suchen.
Wie jemand im Wasser
Schreit »Wasser« vor Durst.
Wie der Sohn des Reichen unter Armen herumirrt
Kreisen wir endlos in den sechs Welten.
Unser Leid ist verursacht durch Ich-Verblendung.
Von Dunkel zu Dunkel wir wandern im Dunkel
Wie können wir frei sein vom Rad des Samsara?
Das Tor Zur Befreiung ist Zazen-Samahdi.
Über alles Lob erhaben
das reine Mahayana.
Guttaten ohne Zahl, die rechte Art zu leben,
das Halten der Gebote, Reue und geben,
Alles kommt von Zazen.
Ein wahrer Samahdi löscht unrechtes Tun,
Er läutert Karma, löst Widerstände.
Wo bleibt das Dunkel, uns irrezuleiten?
Das reine Lotus-Land liegt nicht in der Ferne.
Diese Wahrheit zu hören, bescheiden und dankbar,
Sie zu preisen und ihrer Weisheit zu folgen,
bringt Segen ohne Ende, Verdienst ohne Maß,
Wenn wir nach innen schauend uns wenden
und unsere wahre Natur bezeugen:
»Das wahre Selbst ist Nicht-Selbst.
Unser eigenes Selbst ist Nicht-Selbst.«
Sind wir jehnseits von Ich und Wortspielerei.
Dann springt das Tor auf zum Einssein von Ursache und Wirkung.
Nicht zwei und nicht drei geradeaus läuft der Weg.
Unsere Form jetzt ist Nicht-Form,
Und so sind wir in Gehen und Wiederkehr immer daheim.
Unser Gedanke jetzt ist Nicht-Gedanke,
Und so ist unser Tanz und Gesang die Stimme des Dharma.
Wie frei ist der Himmel des grenzenlosen Samahdi!
Wie klar und durchscheinend das Mondlicht des Wissens!
Was ist ausser uns?
Was sollte uns fehlen?
Nirvana liegt offen vor unseren Augen.
Diese Erde, wo wir stehen, ist das reine Lotos-Land,
und dieser unser Körper ist der Körper des Buddha.
Der Bodhisattva des Erbarmens
aus dem tiefsten Prajna-Wissen
Schaute die Leere der fünf Skandhas
Und sprengte die Fesseln,
Die ihn leiden machten.
So wisse:
Form hier ist nur Leere,
Leere ist nur Form.
Form ist nichts als Leere,
Leere nichts als Form.
Leer sind auch Empfindung,
Denken und das Wollen,
Das Bewusstsein selbst.
Dharmas hier sind Leere,
Ursprünglich leer ist alles:
Nichts wird hier geboren,
Und nichts stirbt.
Nichts ist rein noch unrein,
Nichts wächst noch vergeht.
In der Leere keine Form,
Kein Empfinden und kein Denken,
Kein Wollen, kein Bewusstsein.
Nicht Auge, Ohr, Nase,
Nicht Zunge, Körper, Geist,
Nicht Farbe, Ton, Geruch Geschmack, Gefühl,
Nichts, was der Geist erfasst,
Kein Vorgang des Erfassens.
Nicht-Wissen gibt es nicht, Nicht-Wissen endet nicht,
Noch gibt es, was daraus entspringt:
Kein Altern gibt es, keinen Tod,
Noch enden Altern oder Tod.
Noch gibt es Leid,
Noch Wurzel des Leids,
Noch Ende des Leids,
Noch einen Hohen Weg, dem Leiden zu entgehen
Kein Wissen gibt es zu erringen,
Das Erringen selbst ist leer.
So wisse,
Dass der Bodhisattva,
An nichts gebunden,
In Prajna-Wissen lebend,
Befreit ist von hindernder Verblendung,
Frei von der Angst, Brut der Verblendung
Verwirklicht klarstes Nirvana.
Die Buddhas vergangener Zeit,
Die Buddhas der Gegenwart,
Die Buddhas künftiger Zeit,
Vertrauend auf Prajna-Wissen
Kommen zu vollendeter Erleuchtung.
Wisse denn
Die Große Dharani,
Das strahlende Mantra,
Das Mantra ohnegleichen,
Das höchste, unfehlbare Mantra,
Die Prajna-Paramita:
Ihr Wort stillt alles Leid.
Dies ist Höchstes Wissen
Jenseits aller Zweifel.
Wisse und bezeuge:
Ga-te, ga-te
Par-a-ga-te
Par-a-sam-ga-te
Bod-hi, sva-hal
PRAJNA PARAMITA .wav {945k} / .zip {700k, gepackt}
HAKUIN ZENJI .wav {1005k} / .zip {600k, gepackt}
HAKUIN ZENJI, Vertonung .mp3 {5M} / .ogg {5M} / .zip {10M, .mp3 und .ogg gepackt}

Kapleau war ein ganz normaler amerikanischer Manager mit Magengeschwüren und Hämorrhoiden, der nach Japan ins Zen-Kloster ging. Im Laufe der Jahre wechselte er dort mehrmals Roshi (Meister, Lehrer) und Kloster. Von seinem letzten Roshi bekam er zwei Aufgaben:
1. Im Westen ein Zen-Kloster aufbauen was er in Rochester, N.Y., tat.
2. Ein Lehrbuch schreiben, für Zen-Anhänger im Westen, die ohne Roshi auskommen müssen.
So entstand »Die drei Pfeiler des Zen«, ein einzigartiges Buch. Zum Einen enthält es Transscripte von Gesprächen zwischen Zen-Schülern und ihrem Roshi. Zum Anderen, welt-einzigartig in gedruckter Form, finden sich hier Originalberichte von Menschen, die ihre Erleuchtung beschreiben.
Ich (Herlu) hatte das Glück, im Rahmen eines Seshin (ein ganzes Wochenende lang Zazen), Kapleau persoenlich kennenzulernen. Noch nie in meinem Leben hat mich ein Mensch so beeindruckt wie dieser, allein durch die Ausstrahlung seiner Persönlichkeit.

Herlu
